Autismus-Asperger-Auffaelligkeiten-Kindergarten

Autismusspektrumsstörung – Suche nach einem geeigneten Kindergarten

Gepostet am: 9. März 2017

In meinem ersten Bericht Leben mit Autismus – Auffälligkeiten im Kindergartenalter habe ich euch ja schon davon berichtet, wie uns auffiel, dass Laurenz anders ist. Ich hab euch erzählt, welche ersten Schritte wir gemeinsam mit

  • Kindergarten,
  • Kinderarzt,
  • Jugendamt,
  • Frühförderstelle des Gesundheitsamtes und
  • dem SPZ (Sozialpädiatrisches Zentrum)

gegangen sind. Jetzt kommt der zweite Bericht. Ich erzähl euch ein bisschen darüber, wie der Weg nach der Diagnose weiterging.

 

Eingliederungshilfe

Autismusspektrumsstoerung---Suche-nach-einem-geeigneten-Kindergarten 

Nach der Diagnose wurde mit Laurenz im SPZ noch einmal ein Test gemacht. Bei diesem Test ging es um die Präzisierung der Diagnose und die Erfassung der intellektuellen Leistungsfähigkeit mittels des SON-R 2,5 bis 7 non-verbalen Intelligenztestes. 

Das Ergebnis dieses Tests war, dass Laurenz eine seelische Behinderung drohte und er

Anspruch nach Leistungen der Eingliederungshilfe nach §35a SGB VIII hatte.

Es wurde weiterhin festgestellt, dass er erhebliche Teilhabeeinschränkungen am Leben in der Gemeinschaft, in Bezug auf das Lernen, die soziale Interaktion und Kommunikation hat. Laurenz Entwicklung wich deutlich von der Gleichaltriger ab.

Da sich die Situation ohne angemessene Hilfe verschlechtern würde, wurde uns ein heilpädagogischer Kindergarten empfohlen. Sollten wir keinen Platz in einer derartigen Einrichtung bekommen, wäre eine Integrationshilfe im derzeitigen Kindergarten dringend erforderlich.

 

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Uns wurde weiterhin ein Termin in der pädaudiologischen Ambulanz empfohlen, um die akustische Überempfindlichkeit abzuklären und ggf. Hörfilter zu verschreiben. Ungefähr zu gleichen Zeit begannen wir mit der Ergotherapie. Ziel war, dass Laurenz lernen sollte, bei sensorischer Überforderung wieder zu Ruhe zu kommen.

 

Falleingabe beim Jugendamt

 

Laurenz zog sich im Kindergarten immer mehr zurück. Er benötigte dringend eine I-Kraft. Um die zu beantragen, folgte kurz darauf ein Gespräch mit dem Jugendamt, der Jugendhilfe, dem Kindergarten und mir, die so genannte Falleingabe. Dort wurde der „Ist“- Zustand analysiert und Lösungen erarbeitet. Für mich war das am Anfang recht komisch. Das war so ein bisschen, wie die Hose runterlassen vor der kompletten Mannschaft. Unser Leben und unsere Familie wurden durchleuchtet. Es wurde die aktuelle Situation aufgeführt. Der Entwicklungsstand, das Zusammenleben, das soziale Umfeld (Unterstützung), die Arbeits- und Wohnsituation, die persönlichen Stärken (fand ich am schwierigsten) und mögliche Ressourcen analysiert und durchgesprochen.

 

 

Integrationshilfe

 

Wir wollten zu dem Zeitpunkt, dass Laurenz in seinem alten Kindergarten bleibt. Das hatten wir mit der Kindergartenleitung und den Erzieherinnen abgesprochen. Bei der Gesprächsrunde merkten wir aber sehr schnell, das es nicht so klappen würde, wie wir uns das vorgestellt hatten. 

Von seitens des Jugendamtes und der Jugendhilfe wurde uns angeraten, Laurenz in einem kleinerem Kindergarten mit besseren Fördermöglichkeiten unterzubringen. Eine Integrationshilfe würde zwar bewilligt aber nur für max. 9 Stunden. Ja super, was passiert dann die andere Zeit mit meinem Kind im Kindergarten? Sitzt er allein in der Ecke, weil keiner Zeit hat, sich um ihn zu kümmern?

 

Rückschläge 

 

Ich war ziemlich angefressen und klemmte mich zu Hause gleich ans Telefon. Ich telefonierte alle möglichen Kindergärten ab, die für ihn in Frage kamen. Natürlich hatte kein Kindergarten freie Plätze. Überall gab es lange Wartelisten. Ein Kindergarten der Jugend- und Erziehungshilfe lud uns zu einem Gespräch ein. Schon beim Betreten des Gebäudes hatte ich ein schlechtes Gefühl. Ich kam mir vor, wie in einer Erziehungsanstalt. Bei dem Gespräch mit den Erziehern und der Leitung wurde uns unterschwellig unterstellt, in der Erziehung versagt zu haben. Es fielen Sätze wie,

  • Autismus hat ja heutzutage jeder.
  • ASS ist die neue Modediagnose.
  • So lange wie es Fälle wie ihren gibt, haben wir unseren Job sicher.

Was glaubt ihr, wie schnell ich mein Kind geschnappt und das Haus verlassen hab. Mein Bauchgefühl hat mich nicht getäuscht. DAHIN würden wir unser Kind auf KEINEN Fall geben!!!

 

Asperger-Autist-Autismus-Verhaltensauffaellig

 

Der rettende Anruf

 

Ich hatte Laurenz bei mehreren Kindergärten auf die Warteliste setzen lassen. Kurz nach unserem Reinfall mit dem ersten Kindergarten kam ein Anruf eines kleinen Schulkindergartens der Erziehungshilfe. Ein Platz wurde frei und wir wurden eingeladen, uns vorzustellen. Das Wort Erziehungshilfe hatte, nachdem wir im ersten Kindergarten abgewatscht wurden, einen ziemlich komischen Beigeschmack. Da wir aber keine große Auswahl hatten, nahmen wir die Einladung an und sahen uns den Kindergarten an.

Gleich bei der Begrüßung in diesem Kindergarten hatte ich ein gutes Gefühl. Liebevoll und herzlich wurden wir empfangen und durch das Haus geführt. Wir wurden ernst genommen und jede Frage wurde beantwortet. Auch Laurenz fühlte sich gleich wohl.

 

Endlich ein passender Kindergarten

 

Dieser Kindergarten war ein Schulkindergarten mit sonderpädagogischen Fördermaßnahmen. In dieser Einrichtung wurden 12 Kinder mit Defiziten von 3 Erziehern und 2 Praktikanten betreut. Es gab einen geregelten Tagesablauf, Gruppen- und Einzelförderungsmaßnahmen. Auf Bewegungsangebote in Garten und Turnhalle wurde viel wert gelegt.

Die Erzieher wurden, im Hinblick auf die Einschulung,  von einer Psychologin  und einem Beratungslehrer der angegliederten Schule unterstützt. Die Öffnungszeiten waren von 8.15 Uhr bis 13.00 Uhr und es gab warmes Mittagessen. Die Kinder wurden mit Kleinbussen von zu Hause abgeholt und wieder heim gebracht. Für mich eine unsagbare Entlastung, da Ludwig, unser Jüngster zu dem Zeitpunkt auch noch zu Hause war.

 

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Nach diesem Termin war für uns klar, DAS ist die richtige Einrichtung für Laurenz. Er hat sich dort gleich wohl gefühlt und auch mein Bauchgefühl hat sofort sein ok gegeben. Ein weiterer Grund, warum wir uns für diesen Kindergarten entschieden war, das die angegliederte Schule ein Schulkonzept speziell für autistische Kinder hatte. Wenn Laurenz in dieses Konzept passte, konnte er weiterhin in seiner gewohnten Umgebung bleiben und dort zur Schule gehen.

Vor den Weihnachtsferien feierten wir Abschied im „alten“ Kindergarten. Nach den Ferien startet er dann in seiner neuen Kita. 

Ungefähr zur gleichen Zeit stellten wir bei der Krankenkasse einen Antrag auf Pflegegeld und beantragten einen Schwerbehindertenausweis.

Davon erzähl ich euch in meinem nächsten Bericht. Jetzt glühen mir nämlich meine Fingerkuppen von so viel Schreiberei.

Ich hoffe, es hilft dem einen oder anderen weiter.

Alles Liebe

Kerstin

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