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Happy Birthday zum 25., meine Große und ein Cheerio auf eine tolle Mutter-Tochter-Beziehung

Happy Birthday zum 25., meine Große und ein Cheerio auf eine tolle Mutter-Tochter-Beziehung
Tochter 25. Geburtstag

Meine Tochter Stacy hat heute Geburtstag. Sie wird 25 Jahre alt…

Mein Gott… 25 schon, wie schnell doch die Zeit vergeht. Es kommt mir vor, als wäre es gerade gestern, dass ich mit dir den Kreißsaal verließ. 3880 Gramm warst du schwer und 40 cm lang – ein ganz schöner Brocken.

Bei deiner Geburt war ich gerade mal 23 Jahre alt. Ich war jung und naiv und steckte in einer unglücklichen Beziehung. Als du knapp zwei Jahre alt warst, eskalierte mal wieder ein Streit mit deinem Erzeuger. Er ging auf mich los. Du kleine Maus gingst dazwischen. Mit deinen kleinen Fäusten versuchtest du mich zu beschützen. Ich hatte Angst um dich, um uns und tat das, was ich schon hätte viel früher tun sollen. Ich schnappe dich, ein paar Sachen und wir gingen ins Frauenhaus. Dort blieben wir ein ganzes halbes Jahr.

Dann fanden wir ein hübsche kleine Altbauwohnung. Meine Elternzeit war zu Ende. Ich ging wieder arbeiten und du in den Kindergarten. Aber auch nach dieser Zeit kehrte bei uns keine Ruhe ein. Wir waren in ständiger Angst, dass uns dein Erzeuger irgendwo auflauerte würde.

Du bist einmalig…

Einmalig, wie du lachst, was du sagst, wovon du träumst und wie du handelst. Es ist einmalig schön, dass es dich gibt.

Nächtelang herrschte bei uns Ausnahmezustand. Telefon- und Klingelterror waren an der Tagesordnung. Unser Auto wurde demoliert, Familie und Freunde wurden bedroht. Die Polizei – dein Freund und Helfer – konnte nichts tun. Es wurde ja niemand verletzt und es bestand kein öffentliches Interesse. Ich war fix und fertig und mit den Nerven am Ende, wollte nur noch weg. Du warst mittendrin und hast alles mitbekommen.

Mutter-Tochter-Beziehung

Dann lernte ich jemanden kennen und wir zogen Hals über Kopf in eine andere Stadt, 600 km entfernt. Ohne Geld, ohne Job und ohne familiäre Unterstützung versuchte ich, das Beste aus der Situation zu machen. Aber auch diese Beziehung entpuppte sich nach ein paar Jahren als Griff ins Klo. Alkohol und Schulden waren an der Tagesordnung. Wieder eine Trennung mit leergeräumter Wohnung und geklauter Kreditkarte. Wieder Schmerzen, Tränen und Enttäuschung – du mittendrin.

Dann kam Karle, dein jetziger Stiefpapa und nahm uns bei sich auf. Wieder ein Umzug an und ein neuer Mann, mit dem du klar kommen musstest. Für dich bedeutete das Schulwechsel und ein weiterer Versuch, endlich einen Vater-Ersatz zu finden.

Du bist besonders…

Wenn ich dir etwas geben könnte, dann würde ich dir die Fähigkeit geben, dich selber so zu sehen, wie andere dich sehen – damit du erkenn kannst, was für ein besonderer Mensch du bist.

Barbara A. Billings

Du warst enttäuscht und verletzt. Es hat lange gebraucht, bis du wieder vertrauen konntest. Es war nicht leicht für uns drei. Ich habe versucht, zwischen euch zu vermitteln und stand mehr als einmal zwischen den Stühlen. Ein paar Mal war ich kurz davor, das Handtuch zu schmeißen, die Beziehung zu beenden und einfach mit dir abzuhauen.

Irgendwann haben wir uns dann doch zusammengerauft. Karle und ich haben geheiratet, du bekamst einen Stiefvater und wir wurden eine richtige Patchwork-Familie.

Du und ich – wir beide haben viel zusammen durchgemacht. Ich hätte dir das alles gern erspart, das kannst du mir glauben. Trotz aller Querelen hast du dich zu einem tollen Teenager entwickelt. Wir hatten selten Probleme miteinander, nicht mal in der Pubertät. In der Schule hast du dich immer reingekniet und dein Bestes gegeben. Während andere Party machten, hast du mit einer Ausdauer gebüffelt und mit bewundernswertem Ehrgeiz bis zur Erschöpfung gelernt.

Du warst 16 als dein Bruder Laurenz auf die Welt kam und 19 als Ludwig geboren wurde. Da hast allerdings schon nicht mehr bei uns gewohnt. Kurz vor Laurenz erstem Geburtstag bist du ausgezogen, einvernehmlich. Wir haben alles zusammen geplant und dich bei deinem Vorhaben unterstützt.

Sei du selbst

Mit deinen Träumen und deinen Möglichkeiten. Mit deinen Plänen, deinen Hoffnungen und Zweifeln. Steh zu dir, zu jedem Wort. Zu jeder Entscheidung. Und sei offen für das Leben.

Du bist zur Oma nach Sachsen zurückgezogen. In das Haus, wo wir schon einmal gewohnt hatten. Dort bist du weiter zur Schule gegangen und hast mit Bravour dein Fachabi in Sozialwesen gemacht.

Dann kam Tony. Dein erster fester Freund und deine große Liebe. Ihr seid ziemlich schnell zusammengezogen. Anfangs war uns das gar nicht recht. Aber nach zwei weiteren Umzügen und einem Haus, was ihr gemeinsam gebaut habt, haben wir Tony ins Herz geschlossen. Er ist das Beste, was dir (und uns) passieren konnte. Oder um es mit Karles Worten zu sagen: „Bring sie bloß nicht wieder hoim“. Hahaha…

Nach deinem Auszug hast du alles selbständig gemeistert. Ich habe dir aus der Ferne geholfen, so gut es ging. Du hast deinen Führerschein bestanden und am 18. Geburtstag von uns dein erstes Auto bekommen. Die gelbe Nuckelpinne – ein kleiner Suzuki mit allerlei Macken. Ich weiß noch, wie ich mich ein halbes Jahr zusammenreißen musste, um mich nicht zu verplappern. Am Telefon war ich live dabei, als du bei Oma dein „Geburtstagsgeschenk“ aus der Garage holen solltest. Ich habe vor Freude mit dir geheult.

Danach hast du ein Studium begonnen und wieder geschmissen, weil es nicht das war, was du dir vorgestellt hattest. Weil ich dich leider finanziell nicht großartig unterstützen konnte und auch von deinem Erzeuger nie ein Cent kam, hast du dich anderweitig durchgebissen. Du hast bei der Post, an der Tanke und im Pferdestall gejobbt.

Vor drei Jahren hast du eine Ausbildung als Krankenschwester begonnen, die du, trotz Hausbau, in ein paar Wochen mit den besten Noten abschließen wirst.

Ich bin so stolz auf dich und auf all das, was du gemeistert hast. Wir rasseln manchmal aneinander, weil wir zwei Zicken und Dickschädel sind aber die meiste Zeit verstehen wir uns blendend. Wir haben ähnliche Interessen und können über die gleichen Dinge lachen. Du bist dankbarer Abnehmer meiner abgelegten Haushaltsartikel und mein bester Ratgeber und Zuhörer.

Der Moment, in dem du aufhörst, dir Gedanken darüber zu machen, was andere von dir halten, und du anfängst, so zu leben, wie du möchtest, ist der Moment, in dem du endlich frei bist!

Ich bewundere, wie toll du euer Haus eingerichtet hast und ich freue mich, wenn wir das erste Mal auf eurer Terrasse unterm Sonnenschirm sitzen werden und in den blühenden Garten schauen.

Manchmal bin ich traurig, dass wir so weit entfernt voneinander wohnen. Ich würde gern viel öfters mit dir quatschen, Kaffee trinken, shoppen gehen oder was unternehmen. Aber zum Glück gibt es ja Skype und WhatsApp.

Du bist die beste große Schwester, die sich deine kleinen Brüder vorstellen können. Ludwig vermisst dich, obwohl wir nie zusammen gewohnt haben. Und für mich bist du die tollste Tochter, die sich eine Mutti vorstellen kann.

Bleib so wie du bist! Und nun:

Hör auf zu heulen – Ich hab dich lieb…

Happy Birthday meine Uschi…

(Insiderwitz)

P.S. Ich habe immer noch den Zettel, den du mir bei deinem Auszug hinter das Regal geklebt hast. Erst Wochen später habe ich ihn beim Ausräumen deines Zimmers gefunden. Ich muss immer schlucken, wenn ich ihn lese…

Mutter-Tochter-Verhältnis

7 Kommentare

  1. Nicole
    3. Mai 2019 / 8:49

    Sehr schön geschrieben ❤😍

  2. Kerstin
    3. Mai 2019 / 9:22

    Bewegend, was ihr Beiden durchgemacht habt. Da musste ich beim Lesen ein paarmal schlucken. Und offenbar hat deine Tochter ihre Stärke von Dir geerbt.
    Wie schön, dass ihr Beide jeweils noch euer Glück gefunden habt!
    Und ich bewundere dich dafür, dass du deiner Tochter die Freiheit eingeräumt hast, die sie wollte… hoffentlich schaffe ich selbst das auch einmal, wenn es in wohl nicht mehr ganz so ferner Zukunft bei meiner Großen soweit sein wird.

  3. 3. Mai 2019 / 10:22

    Jetzt hab ich echt gerade ein paar Tränchen verdrückt! So schön geschrieben und auch wenn Ihr es nicht leicht hattet, es schweißt einen noch enger zusammen.

  4. Bettina
    3. Mai 2019 / 12:04

    Liebe Kerstin,
    Dein Text ist sehr berührend geschrieben! Mit jedem Wort kommt die Liebe zu Deiner Tochter zum Ausdruck – so schön!
    Alles Gute für Stacy!
    Herzliche Grüße, Bettina

  5. Erika
    3. Mai 2019 / 12:42

    Sehr berührend geschrieben und du hast mich emotional voll gepackt! Bin eh so nah am Wasser gebaut.

    Als ich deine Zeilen so las dachte ich nur, es hat wirklich jeder sein Päckchen zu tragen. Und das ist manchmal ganz schön heftig.

    Weiterhin alles Gute für euch und viel Glück!!!

  6. Sandra
    3. Mai 2019 / 15:05

    Ich habe Pipi in den Augen 👀 😊

  7. 3. Mai 2019 / 17:26

    Ein sehr schöner Text. Wahnsinn, was ihr durchmachen müsstet. Umso schöner, dass ihr euch gut verstehe und beide eure Familien habt.

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