Als wir vor drei Jahren zum ersten Mal mit dem Wohnmobil im Urlaub waren, bekam ich plötzlich und aus heiterem Himmel Panikattacken. Ich lag nachts in meinem Bett und in mir kroch eine nicht zu erklärende Angst von den Fußspitzen langsam nach oben. Mein Herz klopfte wie wild. Es schnürte mir die Kehle zu und ich dachte ich müsste sterben.

Mir schossen irre Gedanken durch den Kopf. Es wird Krieg geben, die Welt wird untergehen und wir alle werden sterben. Horrorszenarien wie aus dem Film 2012 spielten sich vor meinem inneren Auge ab. Ich schmiedete Fluchtpläne durch Europa und überlegte, wie wir unsere restliche Familie in Sicherheit bringen könnten. Hatten wir eigentlich noch genügend Lebensmittel für die Flucht zu Hause? Was, wenn die nicht reichten? Woher bekamen wir Nachschub, wenn die Geschäfte geplündert wurden und es nirgends mehr was zu kaufen gab? Ich zitterte am ganzen Körper und war klatschnass geschwitzt.

Irgendwann fingen an, meine Muskeln zu zucken. Ich dachte mir, dass ich an einer lebensbedrohlichen Krankheit leide, wie ALS oder so etwas in der Art. Was wird aus meinen Kinder, wenn ich sterbe? Wird mein Mann das alles alleine schaffen?

Nach dieser Nacht war ich fix und fertig. Was war das für ein verdammter Scheiß? Werde ich jetzt verrückt? Das war die schlimmste Panikattacke, die ich je erlebt hatte. Danach hatte ich immer wieder solche kurzen Momente mit Herzrasen, Schweißausbrüchen und Angstzuständen. Die kamen immer dann, wenn ich irgendetwas schlimmes hörte oder las.

Burnout

Nach dem Urlaub ging ich zu meinem Hausarzt und schilderte meine Symptome. Er meinte, dass ich einen Burnout hätte. Die Panikattacken wären Reaktionen meines Körpers auf das, was ich alles mitgemacht hätte. Er hatte wohl recht. In den Jahren davor pflegten wir bei uns im Haus die Schwiegermutter mit beginnender Demenz und deren fast 100-jährige Tante. Ich war den ganzen Tag allein und hatte neben einem autistischen Kind noch ein Baby zu versorgen. Mein Mann war berufstätig. Er ging morgens um 5 Uhr aus dem Haus und kam abends nicht vor 19 Uhr heim. Es war klar, dass mein Körper irgendwann die Notbremse zog.

Mein Arzt gab mir zwei Notfalltabletten gegen die Panikattacken und die Adresse einer Psychotherapeutin, bei der ich mir schnellstmöglich einen Termin geben lassen sollte.

Die Tabletten habe ich nie angerührt. Ich hatte zu viel Angst davor, nicht mehr ich selbst zu sein und meine Sinne zu vernebeln. Obwohl mir alle versicherten, dass so etwas nicht passieren würde und ich mir keine Sorgen machen bräuchte, rührte ich die Tabletten nicht an. Selbst dann nicht, als totale Zusammenbruch kam.

Der totale Zusammenbruch

Der kam an einem Samstag. Mein Mann war einkaufen und ich war mit den Kindern allein zu Hause. Ich fühlte den ganze Tag schon eine unerklärliche Unruhe in mir. Ich tigerte durch die Wohnung und wusste nicht, was ich machen sollte. Ich fühlte mich wie in einer Wattewolke und sah alles im Nebel um mich herum. Meine Muskeln zuckten und die Angst kroch wieder in mir hoch. Ich dachte, ich überlebe diesen Tag nicht. Als meine Mann nach Hause kam, saß ich zittern da und bat ihn, mich sofort ins Krankenhaus zu bringen.

Im Krankenhaus wurde ich untersucht und durchgecheckt. Auch da bekam ich als Diagnose Burnout und depressive Verstimmung. Die Ärztin verschrieb mir ein Beruhigungsmittel und entließ mich nur, weil ich zwei Tage später zur Mutter-Kind-Kur fuhr. Die Mutter-Kind-Kur tat mir sehr gut. Ich habe viel gelernt darüber, wie wichtig es ist, dass es mir gut geht und bekam einige Techniken an die Hand, es im Alltag umzusetzen.

Verhaltenstherapie

Nachdem ich von der Kur zurückgekommen war, begann ich ziemlich schnell eine Therapie. Ich hatte mich noch vor der Kur und gleich nach dem Besuch bei meinem Hausarzt mit der Therapeutin in Verbindung gesetzt, die er mir empfohlen hatte. Es war ein ziemliches Glück, so schnell einen Therapieplatz zu bekommen. Denn es ist ja allgemein bekannt, wie lange man allein schon auf einen Termin bei einem Psychologen warten muss.

Zur Therapeutin hatte ich einen guten Draht und gemeinsam gingen wir meinen Ängsten und den Panikattacken auf die Spur. Im Laufe der Therapie kristallisierte sich heraus, dass diese Angstzustände immer dann auftraten, wenn ich irgendwelche Schreckensmeldung hörte. Sie riet mir damals zu meinem eigenen Schutz, Nachrichten und Meldungen genau zu filtern.

Medien filtern

Zu diesem Zeitpunkt begann ich, kein Fernsehen mehr zu schauen, keine Nachrichten zu hören und keine Tageszeitung mehr zu lesen. Ich löschte auf Facebook alle abonnierten Nachrichtenkanäle, damit auch dort keine Schreckensmeldungen mehr aufploppten. Auch meinen Mann bat ich, mir nichts mehr von Horror-Unfällen, Anschlägen und getöteten Kindern zu erzählen.

Ich lebte eine ganze Weile in einer Blase, fast abgeschnitten von der Außenwelt. Ich wollte nichts hören und nichts sehen. All die Schreckensnachrichten aus der ganzen Welt waren mir in diesem Moment scheißegal. Ich wollte einfach wieder gesund werden.

Nach und nach ließ ich wieder gefilterte Nachrichten in mein Leben, achtete aber trotzdem darauf, was ich konsumierte. Mir ging es immer besser. Ich war froh, dass ich diese ganze Zeit ohne Medikamente durchgestanden habe. Nur auf Bachblüten Tropfen habe ich in dieser Zeit zurückgegriffen und die haben mir gut geholfen.

Angstzustände und Panikattacken

Gibt es denn nur noch Negatives in der Welt?

Der eigentliche Grund, warum ich das hier alles aufschreibe und so weit aushole, ist aber ein ganz anderer. Ich habe gestern nach langer Zeit einmal wieder eine Tageszeitung in der Hand gehabt. In dieser Zeitung war ein Artikel über unsere Familie abgedruckt. Ich habe die ganze Zeitung von vorn bis hinten durchgelesen und danach ging es mir richtig schlecht.

Zeitungsartikel Stuttgarter Zeitung Autismus

Ich beschäftige mich gerade intensiv mit dem Thema Glück, positiven Energien und dem Gesetz der Resonanz. Ich habe viel darüber gelesen, dass Positives auch Positives anzieht. Diese Zeitung gestern war voll negativer Energien. Ich fand keine positive Meldung, kein Bericht über irgendetwas, das funktioniert. Von vorne bis hinten nur Mord, Katastrophen, Angst vor atomarem Wettrüsten, missbrauchte Kinder, Horror-Unfälle und so weiter. Nicht ein Artikel, wo etwas Positives stand. Nichts!

Kein Wunder, dass die Menschen so aggressiv, gefrustet und verbittert sind. Kein Wunder, dass so viele Leute Angst haben. Wollen wir das wirklich? Ich verstehe ja, dass wir darüber informiert werden sollen, was in der Welt passiert. Aber man könnte meinen, dass alles nur noch aus Katastrophen, idiotischen Politikern und negativen Meldungen besteht.

Nachrichten filtern

Warum stehen denn in einer Tageszeitung nicht wenigstens einmal in Woche nur positive Artikel? Würde es die Menschen nicht viel zufriedener und glücklicher machen, wenn mal etwas funktioniert? Es mag ja in der Natur der Dinge liegen, das negative Schlagzeilen die Auflage erhöhen und die Neugier befriedigen. Aber Angst, Wut und Hass machen nicht glücklich und auch nicht zufrieden.

Ich wünsche mir mehr positive Nachrichten. So lange, wie ich in Zeitungen und im Fernsehen nur Dinge sehe, lese und höre, die mir Angst machen und mich runter ziehen, halte ich mich davon fern. Ich muss nicht über jeden Sack Reis informiert sein, der in der Welt umkippt. Ich will glücklich sein und gesund.

Haltet mich für weltfremd, aber meine Gesundheit und mein Seelenfrieden sind mir extrem wichtig. Und sollte die Welt tatsächlich untergehen, dann bekomme ich das sicher rechtzeitig mit.

Angstzustände  und Panikattacken

P. S. Im Nachhinein haben wir festgestellt, dass nicht nur der Burnout Auslöser für die Angstzustände und Panikattacken war. Die beginnenden Wechseljahre trugen ebenso ihren Teil dazu bei.

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Kerstin