Hier in Baden-Württemberg stehen die Faschingsferien unmittelbar vor der Tür. Für die meisten Schulkinder wahrscheinlich ein Grund zu Freude. Nicht bei uns. Ferien, Feier- oder Brückentage sind für Laurenz und unsere gesamte Familie immer eine besondere Herausforderung. Besonders dann, wenn wir nicht verreisen und zu Hause bleiben.

Laurenz kommt mit der Umstellung von Schule zu Ferien gar nicht klar. Lange Schlafen, in den Tag hinein bummeln oder etwas unternehmen ist für ihn ein Graus. Er kann es nicht erklären und darüber sprechen. Aber man merkt an seinem Verhalten und seiner Unausgeglichenheit, wie sehr es ihn aus der Bahn wirft.

Wochenende ist absehbar

Ein Wochenende zu überbrücken fällt ihm nicht schwer. Er weiß, dass Samstag Einkaufstag ist und Sonntag unser „Eier-Tag“, wo es zum Frühstück immer gekochte Eier gibt. Sonntagabend fragt er schon immer, ob am nächsten Tag wieder Schule ist. Er weiß dann genau, dass er morgens vom Taxi abgeholt wird und alles seinen gewohnten Gang geht.

Wenn es aber, wie in den Weihnachtsferien, komplett anders verläuft, als geplant, bricht für Laurenz seine geordnete Welt zusammen.

Das ganze Drama fing damit an, dass schon vor den Ferien seine Lehrerin krank war. Über Weihnachten wollten wir eigentlich meine Familie in Sachsen besuchen. Weil es für Laurenz immer eine Umstellung ist, in einer anderen Umgebung zurechtzukommen, haben wir ihn monatelang darauf vorbereitet. Dann wurde hier einer nach dem anderen krank und wir konnten nicht fahren. Wir konnten eigentlich gar nichts machen, außer daheim zu sitzen und uns auszukurieren.

In dieser Zeit war Laurenz sehr weinerlich, hat nicht mehr aufgehört zu reden und mit quietschiger Stimme gesprochen. Er ist durch die Wohnung gehüpft, hat getobt, war wütend und hat permanent seinen Bruder gepiesackt. Jedes Gespräch endete in stundenlangen Diskussionen. Es war wahnsinnig anstrengend. Mein Mann und ich krochen irgendwann auf dem Zahnfleisch.

Nach den Ferien ging es so weiter. Auch von der Schule und der Tagesgruppe kamen Rückmeldungen, dass Laurenz sehr aufsässig, rücksichtslos, ja zum Teil schon aggressiv war. Es fiel ihm sichtlich schwer, wieder in den gewohnten Ablauf zu finden. Den ganzen Januar hielt dieser Zustand an, bis er wieder in seine Routine kam.

Autisten und Schulferien

Gerade läuft es wieder und nun stehen die Ferien vor der Tür. Dieses Mal wieder mit einer Herausforderung. Ich verreise zum ersten Mal mit den Kindern alleine. Für eine Woche fahre ich mit einer befreundeten Bloggerin und ihrer Familie in ein gemeinsames Ferienhaus an der Mosel. Mein Mann kann nicht mit, denn er muss arbeiten. Ich bin gespannt, wie es wird so ein Urlaub in einer anderen Umgebung, mit fremden Kindern und ohne Papa. Für uns eine ganz neue Situation.

Vielleicht können sich das viele nicht vorstellen, aber auch so eine banale Situation, wie eine Woche Urlaub in einem fremden Haus, außerhalb der gewohnten Umgebung können einen Autisten aus der Bahn werfen.

Autisten und Ferien

Wenn wir sonst in den Ferien mit unserem Wohnmobil unterwegs sind, klappt es immer sehr gut. Wir sind als Familie alle zusammen und nehmen ja unser Zuhause, den Rückzugsort und die gewohnte Umgebung durch das Wohnmobil quasi immer mit.

Ich freue mich sehr auf die kommende Woche und sehe es als Herausforderung, für uns und für Laurenz. Ich hoffe sehr, dass es für uns alle ein entspannter Urlaub wird und ich nicht nachher noch eine Woche Urlaub dranhängen muss, um mich zu erholen.😉

Drück uns die Daumen!

Habt ihr mit euren autistischen Kindern auch schon solche Erfahrungen gemacht? Wie geht ihr mit diesen Situationen um?

💋

Kerstin

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