Verhaltenstherapie nach Burnout – Es geht wieder aufwärts…

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Letzte Woche hatte ich einen Termin bei meiner Psychologin. Das Abschlussgespräch nach anderthalb Jahren Verhaltenstherapie stand an. Der Grund für diese Therapie waren Angststörungen und ein Zusammenbruch – ein Burnout – der mir Anfang 2018 die Füße weg zog.

Viele Menschen machen eine Therapie aus den verschiedensten Gründen. Den meisten ist es unangenehm, darüber zu sprechen. Sie haben Angst, über Getuschel hinter ihrem Rücken oder darüber einen Stempel aufgedrückt zu bekommen.

Burnout und Verhaltenstherapie

Im Mai 2016 klappte ich mit einem Burnout zusammen. Ich kümmerte mich lange Zeit um meine demente Schwiegermutter und deren 100-jährige Tante, die bei uns im Haus zur Pflege wohnten. Ich hatte mit ü40 zwei Schwangerschaften hinter mir, ein Kleinkind und ein autistisches Kind. Mein Mann war durch seinen Beruf von früh bis spät unterwegs und irgendwann packte ich es nicht mehr.

Ich fuhr zu einer Mutter-Kind-Kur und hatte das Glück, ziemlich schnell im Anschluss an diese Kurmaßnahme einen Therapie-Platz bei einer Psychotherapeutin zu bekommen. In der Regel haben Therapeuten Wartezeiten von bis zu einem Jahr. Darum ist es empfehlenswert, sich gleich bei mehreren Therapeuten auf die Wartelisten setzten zu lassen.

Verhaltenstherapie – Wie läuft das ab?

Bevor die eigentliche Therapie beginnt, lernen Therapeut und Patient sich zuerst einmal kennen und prüfen, ob die Chemie auf beiden Seiten stimmt. Nach ein paar „Schnupperstunden“ (probatorische Phase) wird ein Therapieplan festgelegt und ein Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse gestellt.

Dann erst beginnt die eigentliche Therapie. Zuerst werden die aktuellen Symptomatiken besprochen, das heißt, wie fühle ich mich jetzt und wie geht es mir körperlich. Die momentane soziale Situation wird besprochen, also wie und wo lebe ich, bin ich verheiratet, habe ich Kinder usw.

Weiterhin wird eine ausführliche Anamnese durchgeführt. Der gesamte Lebenslauf von Geburt an mit sämtlichen Familienverhältnissen wird auseinander genommen.

Verhaltenstherapie nach Burnout - meine Erfahrungen

Therapieplan und Therapieziele

Erst, wenn sich der Therapeut über all das einen Überblick verschafft hat, werden ein Therapieplan und die Ziele der Therapie festgelegt. Ziel einer Verhaltenstherapie ist es, alte Verhaltensweisen und Denkmuster in Frage zu stellen und lernen umzudenken. Man erhält quasi Hilfe zur Selbsthilfe.

Dauer einer Verhaltenstherapie

In der Regel umfasst die Therapie zwischen 20 und 50 Stunden. Bei Bedarf kann sie auch verlängert werden. Je nach Situation erfolgen die Therapiestunden einmal wöchentlich, 14-tägig oder in noch größeren Abständen.

Verhaltenstherapie – Meine Erfahrungen

Meine Therapie begann im September 2016 und dauerte 2,5 Jahre. Die Therapiestunden fanden anfangs 14-tägig statt, später vergrößerten sich die Abstände.

Gemeinsam mit meiner Therapeutin hatte ich mir zum Ziel gesetzt, meine Ängste in den Griff zu bekommen. Ich wollte ruhiger werden und lernen, meine eigenen Bedürfnisse mehr in den Vordergrund zu stellen und mich besser abzugrenzen. Das klingt alles ziemlich egoistisch, das ist es aber nicht.

Ich habe viele Jahres meines Lebens damit verbracht, es Anderen Recht zu machen. Ich hatte immer das Gefühl, nie gut genug zu sein, egal was ich auch tat. Anerkennung musste ich mir immer hart erkämpfen. Vieles hat mich sehr verletzt und ich habe mir immer wieder die Frage nach dem WARUM gestellt. Warum ist das so? Was mache ich falsch? Was kann ich denn noch machen?

Wenn ich wüsste, woran sich Geborgenheit erkennen lässt, wäre ich nicht schon so oft in Armen gelandet, in denen ich sie nicht fand.

Rupi Kaur

In der Therapie haben wir viel über meine Kindheit gesprochen und das Verhältnis zu meiner Mutter, dem Vater und Stiefvater. Auch meine Partnerschaften und der Umgang mit meinen Kindern waren Themen. Es flossen öfters mal die Tränen und viele Gespräche haben mich zum Nachdenken angeregt. Ich habe einige Bücher zu dem Thema gelesen und mich intensiv damit auseinandergesetzt.

Die Therapie hat mir auch gezeigt, dass ich die Vergangenheit nicht ändern kann und wahrscheinlich auch nie eine Antwort auf die Frage nach dem WARUM bekomme. Mir ist klar geworden, dass ich im JETZT und HIER lebe und mich auf das fokussieren muss, was mir Kraft und Stärke gibt. Ich weiß jetzt auch, dass ich das Recht habe, um meiner Selbst willen geliebt und gemocht zu werden und nicht, weil ich etwas gut kann oder besonders hart dafür arbeite.

Die Therapie hat mir geholfen, mein inneres Kind wiederzufinden, es an die Hand zu nehmen und ihm zu sagen, dass es perfekt ist, so wie es ist. Es braucht sich keine Sorgen mehr machen, denn ich bin da und werde immer darauf achten, dass es ihm gut geht.

Meine Therapeutin hat auch viele Achtsamkeitsübungen mit mir gemacht und ich bekam Hausaufgaben auf. So sollte ich z. B. üben einfach mal 5 Minuten dazusitzen und nichts zu machen. Ehrlich, das ging anfangs gar nicht. Mit der Zeit hat sich das aber gebessert und mittlerweile fällt es mir überhaupt nicht mehr schwer. Ich habe gelernt NEIN zu sagen und nicht immer gleich aufzuspringen, wenn irgendjemand etwas von mir will.

Seit Beginn der Therapie habe ich mich auch viel mit den Themen Dankbarkeit und Glück beschäftigt. Ich habe ein Dankbarkeitstagebuch begonnen und zähle mir jeden Abend vor dem Einschlafen auf, was mich an diesem Tag glücklich gemacht hat.

Außerdem habe ich mir angewöhnt, mir jeden Morgen im Bad, beim Zähneputzen ein paar Sätze zur Selbstmotivation zu sagen:

  • Ich bin toll!
  • Ich bin wertvoll!
  • Ich bin einzigartig!
  • Ich bin schön!
  • Ich bin liebenswert! usw.

Ich habe nämlich gelesen, wenn man das regelmäßig macht, dass das Gehirn es irgendwann glaubt, was man da erzählt.

Für mich war die Therapie ein voller Erfolg. Ich habe viel gelernt und mein Leben hat sich Schritt für Schritt verändert. Meine Panikattacken und Angstzustände sind weg und ich kann mich besser abgrenzen.

Ich hoffe, dass ich mit meinen Erfahrungen helfen kann, Angst oder Bedenken vor einer Therapie zu nehmen. Ich möchte mit meiner Geschichte auch Mut machen, sich zu trauen, Sachen aufzuarbeiten, die man alleine vielleicht nicht in den Griff bekommt.

Ich empfand diese Therapie nie als Zeichen dafür, dass ich versagt habe, sondern sah es als meine Chance, Erfahrungen und Denkweisen, auf den Grund zu gehen, zu hinterfragen und umzulernen

💋

Kerstin

3 Kommentare

  1. Nicole
    21. März 2019 / 10:42

    Danke für deine Offenheit

    Toll geschrieben ❤

  2. 21. März 2019 / 18:19

    Das ist ein Beitrag der so wichtig ist und bestimmt ganz vielen Leserinnen Mut macht.
    Toll, dass Du dieses wichtige Thema aufgreifst.

    Vielen Dank dafür.
    Liebe Grüße aus Hamburg
    Martina

  3. Manuela Straus
    12. Juli 2019 / 14:45

    Hallo, danke für den tollen Blog zum Thema Verhaltenstherapie.
    Die Tochter einer Bekannten wird immer wieder von einer „Klassenkameradin“ gemobbt und geschlagen.
    Das zieht die Kleine ganz schön runter. Meine Bekannte möchte nun mit Ihrer Tochter schon einen Therapeuten aufsuchen. Aber eigentlich fehlte der kleinen gar nichts, wenn sie nicht andauernd so schlimm gemobbt würde. Leider sehen die Lehrer keine Möglichkeit die kleine Mobberin zur Verhaltenstherapie zu schicken. Was bleibt zu tun, als die Schule zu wechseln?
    LG
    Manu

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